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Donnerstag, 29. Oktober 2015

[REZENSION] BÖSE SPIELE VON CORNELIA HÄRTL

24082199
Quelle: goodreads.com



Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 07. März 2014
 
Seiten: 320
Preis: 12,99 €

ISBN:
978-3-95400-322-8 
Verlag: Sutton

Handlungsort: Dietzenbach (Kreis Offenbach, Hessen) 

VERLAGSTEXT
Die Sozialarbeiterin Lena Borowski ist nicht gerade begeistert, als sie unvermittelt vom Jugendamt in ein Containerbüro im Spessartviertel, dem sozialen Brennpunkt Dietzenbachs, versetzt wird. Hier hat sie das Leid von vernachlässigten Kindern und verprügelten Frauen unmittelbar und ständig vor Augen. Statt ihr freies Wochenende zu genießen, lässt sie sich auch noch überreden, nach der wie vom Erdboden verschwundenen Schwägerin ihrer Jugendfreundin zu suchen. Sie findet tatsächlich eine Spur von Sabrina, doch die führt in einen SM-Club im Frankfurter Bahnhofsviertel. Als am Rande des Spessartviertels die Leiche einer offenkundig bei SM-Spielen getöteten Frau auftaucht, befürchtet Lena das Schlimmste.

Sozialarbeiterin Lena Borowski #1

Bevor ich mit meiner Rezension beginne, möchte ich euch noch einige Seiten empfehlen.
Die Geschichte spielt an realen Orten, HIER geht es zur Fotogalerie des Romans "Böse Spiele". 
Zwei interessante Artikel/Interviews habe ich hier gefunden:

Außerdem:
"Auch wenn alle Personen und Handlungen frei erfunden sind, lässt sie eigene Erfahrungen einfließen: Selbst lange Jahre für den Landkreis Offenbach tätig, kennt Härtl die Verwaltung und die Zustände in den sozialen Brennpunkten der Region bestens, auch dank ihres ehrenamtlichen sozialen Engagements."
Quelle: Aus dem Roman "Böse Spiele" (Über die Autorin und Hinweis der Autorin)

    Ich würde euch raten mit diesem 1. Band (Bd. 2 siehe unten) zu beginnen, denn nicht nur privat, sondern auch beruflich bauen die Geschehnisse aufeinander auf - auch wenn die Fälle in sich abgeschlossen sind. 

    Ich finde den Kriminalroman mit Lokalkolorit sehr spannend und anspruchsvoll. Auch wenn die Geschichte nicht so leicht zu verdauen ist, konnte sie mich total fesseln - auch wegen ihrer Authentizität. Man befindet sich plötzlich in einer ganz anderen Welt wieder - Drogen, Gewalt, Vernachlässigung, Sadomasochismus und Prostitution. Auf der anderen Seite die, die dagegen kämpfen - im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Dazu gehört die Sozialarbeiterin Lena Borowski. Sie ist nicht sehr beliebt bei ihren Vorgesetzten, da sie sich nicht immer an die Regeln hält und die Dinge nicht einfach nur hinnimmt, sondern hinterfrägt. Als sich für ihre Vorgesetzte die Gelegenheit bietet Lena abzuschieben, findet diese sich in einem Containerbüro wieder, in einer Art "einjährigem Projekt". Ausgewählte Mitarbeiter bekommen zum Teil hoffnungslose Fälle zugewiesen, an denen sie jetzt dranbleiben müssen um endlich Ergebnisse zu erzielen. Man merkt auch schnell, dass es hier nur zweitrangig um den Menschen geht, sondern hauptsächlich um Politik. Auch in dieses Metier bekommt man interessante Einblicke.

    So kommt Lena zu ihrem ersten Fall - ausgerechnet Kindesvernachlässigung. Doch natürlich steckt hier noch viel mehr dahinter. Wobei die Geschichte des kleinen Mädchens Samantha nur nebenbei mitläuft, denn Lena ist zeitgleich noch an einem Vermisstenfall dran. Sie bekommt einen Anruf von ihrem alten Schulfreund Jürgen, dem sie noch etwas schuldig ist. Dessen Schwester Sabrina ist plötzlich verschwunden, was ihr gar nicht ähnlich sieht. Als dann eine weibliche Leiche auftaucht, kreuzen sich die Fälle des vernachlässigten Mädchens und der vermissten Frau. Doch ist die Tote wirklich die Schwester ihres Schulfreundes? 

    Ich bleibe absichtlich vage in meiner Beschreibung des Inhalts, denn ich möchte euch keinesfalls gleich auf die richtige Spur bringen. Ihr sollt genauso im Dunkeln tappen, wie ich es getan habe... :-)

    Besonders interessant fand ich Lenas Privatleben. Sie ist Anfang 30, ziemlich tough und absolut bindungsunfähig. Sie ist schon einige Jahre in einer (eher losen) Beziehung zu Tamae und hat außerdem eine Affäre mit Karin, einer verheirateten heterosexuellen Frau. Tamae und Karin wissen voneinander, nur Karins Mann ist ahnungslos und hält Lena für die beste Freundin seiner Frau. Die Treffen zwischen den dreien sind wirklich seeeehr interessant. Während Karin ihr bei der Suche zu helfen versucht, torpediert Tamae ihre Versuche den Fall ihres Schulfreundes aufzuklären. Denn Tamae kennt Sabrina, und Sabrina kennt Tamaes Geheimnis. Außderem ermittelt Lena nicht wirklich wegen Jürgen, eher wegen seiner Frau Maja - denn diese war ihre erste große Liebe. Doch dann ist etwas passiert und Lena möchte ihre Schuld Jürgen gegenüber "abarbeiten". Lenas Vergangenheit ist besonders interessant, denn hier hält sich die Autorin sehr zurück und macht die Leserin (mich) sehr neugierig. Während ihrer Ermittlungen im Rotlichtmilleu, lernt Lena den viel älteren Gerd Rohloff kennen und fühlt sich sofort zu ihm hingezogen. Damit kann sie nicht richtig umgehen, denn eigentlich steht sie überhaupt nicht auf Männer. Gerd umgibt etwas Dunkles, aber dann scheint er wieder ein Mann mit Prinzipien zu sein (der einige fragwürdige Clubs sein Eigen nennt). 
    Ich werde gar nicht erst versuchen euch die Namen aller beteiligten Personen aufzuzählen, denn es sind sehr viele. Die Geschichte erzählt nicht nur Lenas Sichtweise, sondern auch die Sicht der Personen mit denen sie täglich zu tun hat. Ihre Kollegen bzw. Vorgesetzten (die teilweise wegen ihrer Sexualität Vorurteile haben), ihren Liebhaberinnen und auch die Opfer kommen zu Wort. Das Hauptaugenmerk der Autorin liegt aber auf Lena, da bei ihr alle Fäden zusammenlaufen. Alle Geschichten werden in der dritten Person erzählt. 
    Hier geht es keinesfalls darum, dass die Heldin am Ende das Böse besiegt hat. Denn das Böse scheint nie zu schlafen. Gerade im Regionalkrimibereich geht es weniger darum, eine geschönte Version mit Happy End zu verkaufen, als darum, die Realität aufzuzeigen, die um uns herum tatsächlich exestiert. Auch wenn wir die Geschichte gemütlich auf einer Couch inhalieren, die in einer Wohnung in einem ruhigen ländlichen Vorort steht. :-)
    In diesem Band bekommt man einen sehr realistischen und ungeschönten Einblick in die SM-Szene. Da kann einem schon komisch werden, aber da muss man durch und soviel sei gesagt - "Shades of Grey" ist nichts dagegen. 

    Fazit: Lena ist eine ganz besondere Serienheldin. Sie geht stur ihren Weg und lässt sich nicht aufhalten um Gerechtigkeit zu kämpfen. Da die Autorin eigene Erfahrungen mit eingebaut hat, wirkt die Story besonders authentisch. Interessant fand ich die politischen Verwicklungen, man hat zwar vorher schon eine vage Ahnung, aber wie wichtig sie wirklich sind, wird einem erst nach dieser Lektüre klar. Lena geht es um die Menschen und ihr Schicksal, doch sie wird immer wieder ausgebremst. Ich lege euch den Roman der deutschen Autorin wirklich ans Herz. Die Geschichte trifft einen ins Mark und lässt einen auch lange danach nicht mehr los. Denn all das gibt es wirklich und oft hat es kein Happy End. 

    DIE AUTORIN
    Cornelia Härtl ist gelernte Hotelkauffrau, studierte Betriebswirtin, Dozentin in der Erwachsenenbildung und Schriftstellerin. "Böse Spiele" ist ihr Krimidebüt, außerdem veröffentlicht sie auch unter dem Namen Carla Wolf. Die deutsche Autorin lebt mit ihrem Mann in Langen. 

    WIE ES WEITERGEHT
    Sozialarbeiterin Lena Borowski #2
    35052699
    Quelle: goodreads.com


    VERLAGSTEXT
    Die lebenslustige Sozialarbeiterin Emilia hängt eines Tages tot im Offenbacher Stadtwald. Ihre Kollegin Lena Borowski glaubt nicht an Selbstmord. Unterstützung bekommt sie von Emilias Schwester Christine. In den Unterlagen von Emilia stoßen die beiden auf Hinweise auf den Missbrauch von Sozialgeldern, die Enthüllung stand kurz bevor. Als Christine bei einem Autounfall schwer verletzt wird und Lena sich verfolgt fühlt, spitzt sich die Lage zu.

    1 Kommentar:

    1. Was für eine inhaltlich schöne und liebevoll gestaltete Rezension! Die Autorin freut sich, dass das Buch Sie so gut unterhalten hat :-)

      Herzlichst
      Cornelia Härtl

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