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Dienstag, 12. April 2016

[REZENSION] BROKEN HOUSE - DÜSTERE AHNUNG VON GILLIAN FLYNN


27426105
Quelle: goodreads.com

Hardcover
Erscheinungsdatum: 03. November 2015

Seiten: 64
Preis: 6 €

ISBN:
978-3-596-03683-7 

Verlag: FISCHER Taschenbuch (S. Fischer Verlage)
Originaltitel: The Grownup (Aus dem Amerikanischen, 2015)

 
26025580
Quelle: goodreads.com

VERLAGSTEXT
Die junge Nerdy hatte es bislang nicht leicht im Leben und bestreitet ihren Lebensunterhalt mit Wahrsagerei und sexuellen Dienstleistungen. Sie verdient nicht schlecht – meistens erzählt sie den Leuten genau das, was sie hören wollen. Bis sie Susan Burke trifft. Susan lebt in Carterhook Manor, einem alten viktorianischen Haus aus dem Jahr 1893, zusammen mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrem Stiefsohn Miles. Susan ist völlig verängstigt, denn sie ist davon überzeugt, dass ein böser Geist von Haus und Stiefsohn Besitz ergriffen hat. Nerdy soll kommen und das Haus davon befreien. Die junge Frau glaubt weder an Geister noch an sonstige übernatürliche Dinge, aber hier bietet sich die Chance, sehr viel Geld zu verdienen. Aber als sie das Haus zum ersten Mal betritt und auch Miles trifft, fühlt sie es auch: Hier spukt kein Geist, hier lauert etwas Anderes. Etwas absolut Böses. Etwas, das töten will.

Für diese düstere Story hat die amerikanische Autorin Gillian Flynn den Edgar Allan Poe Award für die beste Kurzgeschichte 2015 gewonnen. Eingereicht hat sie die Geschichte mit dem Titel "What Do You Do?", als Buch veröffentlicht wurde sie allerdings unter dem Titel "The Grownup".

Kann ein Haus böse sein oder machen die Bewohner es dazu? Mit dieser Frage wird die junge Nerdy konfrontiert, als sie den Auftrag bekommt, die Aura eines Hauses zu reinigen.  

Nerdy ist eigentlich eine Betrügern - schon mit ihrer Mutter ist sie als junges Mädchen auf Betteltour gegangen und hat den Menschen mit traurigen Geschichten Geld aus den Rippen geleiert. Heute geht sie einem festen Job nach und hat ein regelmäßiges Einkommen.
"Ich besorge es den Männern sechs Tage die Woche, acht Stunden pro Tag, mit einer Mittagspause zum Lunch..." 
Trotz ihrer fragwürdigen Tätigkeit, hat sie diese Arbeitsmoral sicher nicht von ihrer einäugigen Mutter geerbt. 
"Sie war die faulste Schlampe, die mir je über den Weg gelaufen ist." 
Doch nach drei Jahren kann Nerdy Nerdy ihren Job nicht mehr ausüben.
"Ich habe aufgehört, weil es nach 23546 handjobs kein Wunder ist, wenn man Bekanntschaft mit dem Karpaltunnelsyndrom macht."
Doch sie muss nicht lange nach einem neuen Job suchen. Denn im "Spiritual Palms" wird in den vorderen Räumlichkeiten für die Frauen Tarotkarten gelegt und aus Kristallkugeln gelesen. Während im hinteren Bereich illegaler Softcoresex für die Männer angeboten wird. Also steigt Nerdy in das Wahrsagergeschäft ein und beginnt wieder zu lügen, indem sie einsamen reichen Frau erzählt was sie hören wollen.

Eines Tages passiert was passieren muss und Nerdy gerät an die falsche Person. Susan Burke betritt den Laden und mit ihr erhält das Böse Einzug. Aber erstmal wittert Nerdy das große Geld und bietet "Spirituelle Reinigung" des Hauses an, denn Susan ist überzeugt, dass ihr Haus böse ist. Im Grunde macht Nerdy nichts anderes als irgendwelchen Mist vor sich hinzumurmeln und Kräuter zu verteilen. Obwohl sie Susan eigentlich reinlegen will, kann sie dennoch die böse Aura des Hauses spüren - es verursacht ihr regelrechte Gänsehaut. Dann beginnt auch noch Susans Stiefsohn ihr zu drohen und das Unheil nimmt seinen Lauf ... 

Die eigentliche harmlose Nerdy wird in ein perfides Spiel hineingezogen, dem sie nicht gewachsen ist und aus dem es scheinbar auch kein Entrinnen gibt.

Die Kurzgeschichte hat mich von Anfang an begeistert. Nerdys Erzählungen von ihrem Job und dem Leben mit ihrer Mutter haben mich wunderbar unterhalten. Dann kam mit Susan Burke plötzlich eine Wendung in die Geschichte, die auch mir Gänsehaut verursacht hat. Man spürt regelrecht das Unheil, dass im Anmarsch ist. Ich war richtig gespannt, was Gillian Flynn daraus machen würde. Ist das Haus böse, Susan oder ihr Stiefsohn? Wird Nerdy am Leben bleiben und wenn ja, wie kommt sie aus dieser Sache wieder heraus?

Ich möchte allerdings nicht den Eindruck vermitteln, dass diese Kurzgeschichte perfekt ist. Denn gegen Ende ist die Story etwas abgeflacht und hat an Fahrt, Humor und Spannung verloren. Die Auflösung war zwar ganz nett, aber ich hatte etwas mehr erwartet.

Dennoch ist dieses dünne Büchlein ein Must-Read, denn Gillian Flynn schreibt einfach großartig. Sie hat einen beißenden Humor und ihre Figuren haben alle eine besondere Persönlichkeit, dafür hat sie einfach ein Händchen, wie sie bisher auch in jedem ihrer Romane bewiesen hat. 

Einem Genre möchte ich diese Story nicht zuordnen, aber so viel sei verraten - es ist eine Mischung aus Horror (Gänsehaut auf meinen Armen), Mystery (kann ein Haus böse sein?) und Psychothriller (oder sind es die Menschen darin?).

Die Geschichte wird von Nerdy in der Ich-Form erzählt und man kann sich dadurch wunderbar in die Figur hineindenken.

© Corinna Bub




Mein Fazit: Unbedingt lesen, auch wenn die Story am Ende einiges an Fahrt, Spannung und Humor verliert. Ich habe mich köstlich über die Anekdoten aus dem Bettel- und Handjobgewerbe amüsiert. Interessant fand ich auch, dass es nur eine schlaue Kunde und einen angsteinflößenden Stiefsohn gebraucht hat, um die toughe Nerdy von ihrem Thron zu stoßen. Unmerklich (für Nerdy) wurden hier die Rollen vertauscht. Die amerikanische Autorin schreibt außergewöhnlich gut und ihren beißenden Humor mochte ich schon in ihren anderen Romanen. Das Buch hat nur knapp 60 Seiten und ist für Vielleser wie mich nur ein kleiner Happen für Zwischendurch - für eine kleine Auszeit vom Alltag wie gemacht. 


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Quelle: goodreads.com


DIE AUTORIN
Gillian Flynn wurde 1971 in Kansas City, Missouri geboren. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Chicago. Sie hat Journalismus studiert und arbeitete als Fernsehkritikerin. 2006 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. 
Quelle: Wikipedia




       

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